HIV

Was ist HIV?

HIV (Humanes Immunschwächevirus) ist ein Virus. Es zerstört das menschliche Immunsystem. Die Behandlung mit Medikamenten wirkt dem entgegen.

Wie wird HIV übertragen?

HIV kann durch Kontakt mit Sperma, Flüssigkeit der Vagina und des Anus, Blut und Muttermilch übertragen werden (hingegen übertragen Schweiss, Tränen, Speichel und Urin kein HIV). Das Ansteckungsrisiko ist je nach Situationen unterschiedlich: Beim Vaginal- und Analsex kann man sich grundsätzlich mit HIV anstecken. Wer beim Analsex Sperma in sich aufnimmt, geht das höchste Risiko für eine HIV-Infektion ein. Beim Vaginalsex hat die Frau ein erhöhtes Risiko, wenn sie Sperma in die Vagina aufnimmt. Beim Oralsex (Geschlechtsorgane mit der Zunge oder dem Mund erregen; beim Penis auch «Blasen» genannt) konnte die Wissenschaft in den letzten Jahren entwarnen: Das Risiko einer Ansteckung ist äusserst klein.

Wenn man eine andere sexuell übertragbare Infektion hat und die Schleimhäute beschädigt sind, erhöht sich das Risiko einer HIV-Übertragung. HIV kann auch übertragen werden, wenn Spritzen zum intravenösen Drogenkonsum gemeinsam genutzt werden. Bei HIV-infizierten Müttern kann das Virus bei der Geburt oder beim Stillen auf das Kind übertragen werden.

Was sind Symptome und Auswirkungen?

Die ersten Wochen einer HIV-Infektion nennt man Primoinfektion. Wenige Tage bis vier Wochen nach einer Ansteckung können grippeartige Krankheitszeichen auftreten, zum Beispiel Fieber, Abgeschlagenheit, Nachtschweiss, geschwollene Lymphknoten, Halsschmerzen oder Hautausschlag. In dieser ersten Zeit nach einer Ansteckung vermehrt sich das Virus stark und man ist hoch ansteckend.

Danach folgt normalerweise eine Phase, in der die betroffene Person über Monate bis viele Jahre keine Symptome hat und sich gesund fühlt. Man spricht dann von der «Latenzzeit». In dieser Phase vermehrt sich das Virus jedoch laufend weiter und beschädigt das Immunsystem. Dabei können Krankheitszeichen wie allgemeine Erschöpfung, Gewichtsverlust, Fieber, Nachtschweiss, Durchfall, Kurzatmigkeit und Hautausschlag auftreten.

In der letzten Phase, wenn das Immunsystem stark beschädigt ist, spricht man von Aids (Englisch «Acquired immunodeficiency syndrome» für «erworbenes Immunschwächesyndrom»). Aids zu haben bedeutet, dass die Abwehrkräfte nicht mehr funktionieren. Deshalb kann die betroffene Person an Erkrankungen sterben, die für Menschen ohne Aids keine Gefahr darstellen.

Wann macht ein HIV-Test Sinn?

Nach einer Risikosituation sollte man sich von einer Fachperson beraten lassen, ob ein Test sinnvoll ist. Treten wenige Tage bis vier Wochen nach einer Risikosituation grippeähnliche Symptome auf, ist es unabdingbar, sich umgehend bei einer Teststelle, beim Hausarzt oder bei der Hausärztin zu melden. Diese Symptome können ein Hinweis auf eine erfolgte Ansteckung sein und ein HIV-Test ist in dieser Situation wichtig.

Zu Beginn einer neuen Beziehung, in der beide Partner künftig auf Kondome verzichten möchten, empfiehlt das Bundesamt für Gesundheit (BAG), sich gemeinsam testen zu lassen.

Wie wird auf HIV getestet?

Ob man sich mit HIV angesteckt hat, kann mit einem Bluttest (HIV-Antikörper-Test) festgestellt werden.

Ein Test ist unter Umständen in der Lage, eine frische Infektion bereits nach 14 Tagen nachzuweisen. Fällt er zu diesem Zeitpunkt negativ aus, sollte er aber nach sechs Wochen wiederholt werden, weil erst dann eine Infektion sicher ausgeschlossen werden kann. Es gibt auch HIV-Selbsttests. Hier beträgt die Wartezeit zwischen einer Risikosituation und dem frühestmöglichen Zeitpunkt, an dem mit einem Test eine HIV-Infektion sicher ausgeschlossen werden kann, drei Monate. HIV-Selbsttests sollten wegen der Gefahr von Fälschungen nicht im Internet, sondern im Fachhandel bezogen werden.

Wie wird HIV behandelt?

Es ist sehr wichtig, dass eine HIV-Infektion rasch erkannt (getestet) und wirksam behandelt wird. So wird das Immunsystem weniger geschädigt. Und es kann sich relativ rasch niemand mehr bei der betroffenen Person anstecken. Eine HIV-Infektion bleibt eine schwerwiegende, chronische Infektion, die konsequent behandelt werden muss. Behandelt wird mit antiretroviralen Medikamenten. Diese müssen täglich und nach aktuellem Wissensstand das ganze Leben lang eingenommen werden. Diese Behandlung ist aber zum Glück heute nahezu frei von Nebenwirkungen.

Können behandelte HIV-positive Menschen auf Kondome verzichten?

Wenn eine HIV-Infektion erfolgreich behandelt wird (das heisst, wenn das Virus im Blut nicht nachweisbar ist), kann HIV beim Sex nicht mehr übertragen werden. Deshalb gilt Sex unter erfolgreicher HIV-Behandlung als Safer Sex. Ob die Behandlung erfolgreich ist, und ob man deshalb auf das Kondom verzichten kann, muss mit der Ärztin oder dem Arzt besprochen werden.

Wie kann eine Infektion verhindert werden?

Kondome guter Qualität (am besten mit Gütesiegel), von passender Grösse (vgl. dazu mysize.ch) und richtig angewendet, schützen vor einer HIV-Infektion. Neuerdings kann man sich auch durch die Einnahme von Medikamenten (Tabletten) schützen. Man spricht dann von «Prä-Expositions-Prophylaxe», abgekürzt PrEP. Wer sich für diese Möglichkeit interessiert, sollte eine HIV-Beratungsstelle aufsuchen.

Wer ein hohes HIV-Risiko eingegangen ist, sollte innert 24 Stunden den Notfall eines Krankenhauses oder einen Schweizer «Checkpoint» aufsuchen. Ein hohes Risiko besteht beispielsweise, wenn das Kondom beim Sex mit einer Person, die HIV-positiv ist und keine erfolgreiche Behandlung hat, gerissen oder abgerutscht ist.

Das konsequente Einhalten der Safer-Sex-Regeln schützt vor einer HIV-Infektion:

  • Vaginal- und Analsex mit Kondom
  • Und weil’s jede(r) anders liebt: den persönlichen Safer-Sex-Check auf lovelife.ch machen.